Der internationale Onlinebroker Trading 212 hat sein Angebot für den deutschen Markt deutlich ausgebaut. Seit Anfang 2026 ist Trading 212 in Deutschland steuereinfach nutzbar. Damit übernimmt der Broker erstmals die automatische Abführung der Kapitalertragsteuer, der deutschen Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer. Für Nutzerinnen und Nutzer entfällt damit der bislang notwendige manuelle Aufwand rund um Steuerberechnung, Dokumentation und Erklärung gegenüber dem Finanzamt, zumindest für in Deutschland steuerpflichtige Kapitalerträge.
Dieser Schritt stellt für Trading 212 einen strategisch wichtigen Meilenstein dar. Die fehlende Steuereinfachheit galt in Deutschland lange als eines der größten Markteintrittshindernisse für internationale Broker. Mit der nun umgesetzten steuerlichen Integration positioniert sich Trading 212 klar im direkten Wettbewerbsumfeld etablierter deutscher Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital und finanzen.net zero.
Steuereinfachheit als zentraler Wettbewerbsfaktor in Deutschland
Der deutsche Broker-Markt unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von vielen anderen europäischen Ländern. Die automatische steuerliche Abwicklung gilt hier seit Jahren als eines der wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Brokerwahl. Während Anlegerinnen und Anleger in anderen Märkten häufig bereit sind, steuerliche Themen selbst zu übernehmen, wird in Deutschland ein steuereinfacher Broker zunehmend als Standard erwartet.
Trading 212 schließt mit der neuen Lösung genau diese Lücke. Die steuerliche Abwicklung erfolgt direkt über die deutsche Niederlassung, sodass Gewinne, Verluste und Steuerabzüge vollständig innerhalb des deutschen Steuersystems verarbeitet werden. Für viele potenzielle Kundinnen und Kunden entfällt damit ein wesentliches Argument gegen die Nutzung internationaler Broker.
Steuerabwicklung in Echtzeit über eigene Tax Engine
Technisch setzt Trading 212 in Deutschland auf eine selbst entwickelte Steuerlogik. Diese sogenannte Tax Engine berechnet steuerrelevante Vorgänge unmittelbar nach jeder relevanten Transaktion. Realisierte Kursgewinne, abgeführte Steuern sowie die Verrechnung von Verlusten werden laufend aktualisiert und transparent in der App dargestellt.
Auch Freistellungsaufträge lassen sich direkt digital einrichten. Sowohl Einzelveranlagungen als auch gemeinschaftliche Freistellungsaufträge für gemeinsam veranlagte Paare werden unterstützt. Damit entspricht Trading 212 funktional dem Standard deutscher Neobroker.
Ergänzt wird das Angebot durch eine umfassende Dokumentation. Nutzerinnen und Nutzer können steuerliche Unterlagen direkt in der App abrufen, darunter Jahressteuerübersichten, Erträgnisaufstellungen und Verlustbescheinigungen. Ziel ist eine möglichst nahtlose Einbindung steuerlicher Themen in den regulären Anlageprozess, ohne zusätzliche externe Tools oder manuelle Nacharbeit.
2,5 Prozent Zinsen auf Guthaben als zeitlich begrenzte Aktion

Parallel zur Einführung der Steuereinfachheit bewirbt Trading 212 in Deutschland eine Guthabenverzinsung von 2,5 Prozent pro Jahr. Die Verzinsung gilt für nicht investiertes Euro-Guthaben auf dem Invest-Konto und erfolgt auf täglicher Basis. Voraussetzung ist, dass die entsprechende Option in der App aktiv freigeschaltet wird.
Das Guthaben wird dabei nicht ausschließlich als klassisches Bankguthaben gehalten. Trading 212 nutzt eine Kombination aus Sammelkonten bei Partnerbanken sowie teilweise qualifizierte Geldmarktfonds. Dieses Modell ist im deutschen Markt nicht ungewöhnlich und wird auch von Wettbewerbern wie Trade Republic oder Scalable Capital eingesetzt.
Einordnung der Einlagensicherung
Laut Angaben von Trading 212 unterliegen die bei Partnerbanken gehaltenen Guthabenteile der gesetzlichen Einlagensicherung. Diese beträgt bis zu 100.000 Euro je Kundin oder Kunde und Partnerbank. Für Wertpapierbestände greift zusätzlich die Anlegerentschädigung bis zu 20.000 Euro.
Guthabenteile, die in Geldmarktfonds investiert sind, gelten hingegen nicht als klassisch einlagengesichert. Sie stellen Sondervermögen dar und unterliegen marktüblichen Schwankungen. Auch dieses Konstrukt entspricht dem aktuellen Branchenstandard, erfordert jedoch ein gewisses Grundverständnis für die Struktur der Guthabenverzinsung.
Unterschiede zu anderen Märkten, Debitkarte und Cashback
In anderen Ländern ist das Angebot von Trading 212 teils deutlich breiter aufgestellt. In der zypriotischen Niederlassung wird beispielsweise eine Debitkarte angeboten, die mit einem Cashback-Modell kombiniert ist. Aktuell liegt dieses Cashback bei bis zu 1,5 Prozent, gedeckelt auf maximal 15 Euro pro Monat.
Für den deutschen Markt sind vergleichbare Kartenangebote derzeit noch nicht verfügbar. Der Fokus liegt hier klar auf dem Brokerage-Geschäft, der steuerlichen Integration sowie der Guthabenverzinsung als ergänzendes Merkmal. Ein späterer Ausbau um Kartenprodukte gilt als wahrscheinlich, ist derzeit jedoch nicht konkret terminiert. Unklar bleibt auch, ob das in Zypern verfügbare Krypto-Angebot künftig für Deutschland freigegeben wird.
Depotstruktur und Abwicklung über Interactive Brokers
Die Wertpapierdepots bei Trading 212 werden über Interactive Brokers geführt. Interactive Brokers zählt zu den größten und etabliertesten internationalen Brokern und stellt die technische Infrastruktur für Verwahrung und Abwicklung bereit. Trading 212 tritt dabei als Frontend-Anbieter auf, der Benutzeroberfläche, Kostenstruktur und Zusatzfunktionen definiert.
Strategische Bedeutung für den deutschen Neobroker-Markt
Mit der Einführung der steuereinfachen Abwicklung beseitigt Trading 212 eine der letzten großen Eintrittsbarrieren für den deutschen Markt. In Kombination mit provisionsfreiem Handel bei Aktien und ETFs sowie dem zeitlich befristeten Guthabenzins verschärft sich der Wettbewerb im Segment der kostengünstigen Onlinebroker spürbar.
Für etablierte Anbieter bedeutet dies zusätzlichen Preisdruck und einen erhöhten Innovationsbedarf. Für Nutzerinnen und Nutzer steigt gleichzeitig die Auswahl an steuereinfachen Alternativen, insbesondere im internationalen Umfeld.
Ob sich Trading 212 langfristig neben den etablierten deutschen Neobrokern behaupten kann, wird maßgeblich davon abhängen, wie stabil das Zinsangebot bleibt, wie zuverlässig der Kundenservice im Alltag funktioniert und ob zusätzliche Funktionen, etwa Kartenprodukte oder erweiterte Kontomodelle, auch in Deutschland eingeführt werden.
Gebühren und Kosten bei Trading 212 im Überblick
Trading 212 verzichtet im deutschen Markt weitgehend auf direkte Gebühren. Die wichtigsten Kostenpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
| Kostenpunkt | Kondition |
|---|---|
| Depotführung | 0 Euro |
| Verrechnungskonto | 0 Euro |
| Kontoführung | 0 Euro |
| Aktienhandel | 0 Euro |
| ETF-Handel | 0 Euro |
| Sparpläne | 0 Euro |
| Börsengebühren | 0 Euro |
| Einzahlungen | 0 Euro |
| Auszahlungen | 0 Euro |
| FX-Gebühr | 0,15 Prozent |
| Guthabenverzinsung | 2,5 Prozent p.a., Aktionszins |
Kosten entstehen damit primär durch Währungsumrechnungen sowie durch produktinterne Kosten der gehandelten Wertpapiere. CFDs sind ebenfalls verfügbar, richten sich jedoch an erfahrene Marktteilnehmer und sind nicht für langfristige Anlagestrategien konzipiert.
Fazit
Trading 212 schließt mit der Einführung der Steuereinfachheit in Deutschland zu den etablierten Neobrokern auf und beseitigt einen zentralen Wettbewerbsnachteil. Die automatische Steuerabfuhr, der provisionsfreie Handel sowie eine sehr schlanke Kostenstruktur machen das Angebot für deutsche Kundinnen und Kunden deutlich attraktiver als bislang.
Der Aktionszins von 2,5 Prozent pro Jahr auf Guthaben stellt einen zusätzlichen Anreiz dar, sollte jedoch nicht als dauerhaftes Leistungsversprechen interpretiert werden. Insgesamt trägt der Markteintritt von Trading 212 als steuereinfacher Broker dazu bei, den Wettbewerb im deutschen Neobroker-Markt weiter zu intensivieren. Für Österreich bleibt das Angebot mangels steuerlicher Integration hingegen weiterhin nur bedingt empfehlenswert.
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